
Francesco Guardi
1712–1793 · Republik Venedig · Rokoko
Die Geschichte
Francesco Guardi malte Venedig, wie es seinem Ende entgegenglitt. Er wirkte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, den letzten Jahrzehnten der tausendjährigen Republik Venedig, die wenige Jahre nach seinem Tod 1793 an Napoleon fiel.
Er ist der große Rivalenname zu Canaletto im Handel mit der Vedute, der Stadtansicht, die vor allem an ausländische Besucher der Grand Tour verkauft wurde. Wo Canaletto klar und exakt ist, fast wie eine Landkarte, ist Guardi locker und flirrend. Seine Lagune löst sich in rasche, nervöse Pinseltupfer auf, Wasser und Himmel beben vor Licht, im Geist näher an dem, was die Impressionisten ein Jahrhundert später tun sollten.
Er liebte auch das Capriccio, eine erfundene Ansicht, die reale und imaginäre Bauten zu einer poetischen Ruine mischt. Zu seiner Zeit verkaufte sich der schärfere, ordentlichere Canaletto besser, und Guardi arbeitete hart für bescheidenes Geld. Sein Ruf stieg lange nach seinem Tod, als Maler und Sammler lernten, gerade jene schimmernde, unfertige Lockerheit zu schätzen, die seine Kunden einst zu skizzenhaft fanden.

