
Giovanni Battista Moroni
1525–1578 · Republik Venedig · Manierismus, Renaissance
Die Geschichte
Um 1570 tat ein italienischer Maler etwas, was fast niemand sonst seiner Zeit gewagt hätte, er malte einen arbeitenden Schneider, als wäre er ein Edelmann. Giovanni Battista Moronis Bild zeigt einen Mann im Wams an seinem Tisch, die Schere in der Hand, ein zugeschnittenes Stück Tuch vor sich, der ruhig zum Betrachter aufblickt, als sei er mitten im Schnitt gestört worden.
Moroni wirkte in und um Bergamo in der Lombardei, abseits der großen Kunstzentren, und verdiente seinen Lebensunterhalt mit nüchternen, genauen Bildnissen des örtlichen Adels und Klerus. Er idealisierte selten. Seine Dargestellten haben echte Haut, schlichte Kleidung und ruhige, ungekünstelte Mienen.
Diese Ehrlichkeit ist der Grund, warum Der Schneider, heute in der Londoner National Gallery, noch immer so modern wirkt, ein namenloser Handwerker, dem die Würde eines förmlichen Porträts zuteilwird. Moroni malte die Menschen seines Winkels der Lombardei bis zu seinem Tod 1578.

