Luca Signorelli

Luca Signorelli

1450–1523 · Republik Florenz · Italienische Renaissance


Die Geschichte

In der Kathedrale von Orvieto in Mittelitalien bedeckte Luca Signorelli die Wände einer Seitenkapelle mit dem Ende der Welt. Zwischen etwa 1499 und 1503 malte er dort das Jüngste Gericht: die Auferstehung des Fleisches, die von muskulösen Dämonen hinabgezerrten Verdammten, ganze Scharen nackter Körper, die sich in Angst und Anstrengung winden.

Niemand hatte die nackte Figur in heftiger Bewegung zuvor ganz so gemalt, und ein junger Michelangelo studierte diese Fresken genau. Die sich windende Anatomie der Sixtinischen Decke verdankt etwas dem, was Signorelli ein Jahrzehnt zuvor in Orvieto erarbeitet hatte. Er stammte aus Cortona in der Toskana und lernte in der Werkstatt Piero della Francescas, des großen Meisters der stillen Geometrie, und drängte dann in die entgegengesetzte Richtung, hin zu Energie und Spannung.

Vasari, der erste Biograf der italienischen Künstler, erzählte die düstere Geschichte, Signorelli habe einst seinen eigenen toten Sohn, jung getötet, gemalt, um dessen Gesicht zu bewahren. Signorelli überlebte die Hochrenaissance, die er mit in Gang gesetzt hatte, und starb 1523 wieder in Cortona, ein wohlhabender und geehrter Mann in seiner Heimatstadt.

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