
Mangaaka-Kraftfigur (Nkisi Nkondi)
Details
Die Geschichte
In den 1880er Jahren wurde das Kongobecken unter europäischen Mächten aufgeteilt. An der Loangoküste, am Chiloango, drängten Handelshäuser und Verwaltungen in eine Rechtsordnung hinein, die dort längst bestand. Genau in dieser Zeit und in dieser Gegend entstand in einer einzigen Werkstatt eine Gruppe großer Figuren dieses Typs. Etwa zwanzig sind erhalten, alle zwischen 1880 und 1910 nach Europa gebracht.
Die Figur entstand in zwei Schritten. Ein Bildhauer schnitzte den Körper. Danach machte ihn ein nganga, ein ritueller Fachmann, handlungsfähig: Er brachte die wirksamen Substanzen ein und rief Mangaaka an, jene Macht, die für Recht und Urteil zuständig war. Von da an wurde vor der Figur verhandelt. Wer einen Eid schwor, einen Streit beilegte oder eine Abmachung besiegelte, trieb ein Stück Eisen in das Holz, oft nachdem die Beteiligten die Klinge abgeleckt hatten.
Annähernd 380 Klingen, Nägel und Keile stecken heute in diesem Körper. Jedes Stück steht für einen erledigten Fall, und zusammen sind sie das Protokoll von Jahrzehnten. Auch der Bart aus Ton, Palmwein, Tierhaar und Harz, den der nganga angesetzt hat, ist noch vollständig da, was bei diesen Figuren selten der Fall ist.