
Hans Memling · PD
Bildnis einer Stifterin
Details
Die Geschichte
Diese Frau war nie dafür gedacht, allein betrachtet zu werden. Ihre Hände sind zum Gebet gefaltet, und ihre Augen wenden sich zur Seite, hin zu etwas, das nicht mehr da ist: einer Tafel mit der Madonna und dem Kind, die ihr einst gegenüberstand. Zusammen bildeten sie ein kleines Klappdiptychon, jene Art privaten Altärchens, das eine wohlhabende Familie in Brügge bei Hans Memling in Auftrag gab, wie ein Buch zuklappte und zum Gebet zu Hause wieder aufschlug. Memling war in diesen Jahren der führende Maler von Brügge, und seine reichsten Kaufleute, viele davon in der Stadt ansässige Italiener, wollten genau dies. Ihr eigenes Bildnis, kniend in der dauernden Gegenwart der Madonna. Er malte sie um 1490, am Ende seines Lebens und der Zeit Brügges als großer Handelshafen, während sein Hafenbecken langsam versandete und die Geschäfte nach Antwerpen abwanderten. Sehen Sie ihre Hände, gefaltet und still, und ihren Blick, der auf einer Gefährtentafel ruht, von der die Zeit sie getrennt hat.




