
Hans Memling · PD
Bildnis eines männlichen Stifters
Details
Die Geschichte
In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts war Brugge eine der reichsten Handelsstadte Europas, und Hans Memling ihr gefragtester Maler. Die Kaufleute und auslandischen Bankiers, die dort lebten, wollten genau das: ein kleines, privates Bild, vor dem man zu Hause betet. Diese Tafel ist die eine Halfte eines solchen Objekts. Der Mann kniet mit gefalteten Handen, leicht nach rechts gewandt, denn ursprunglich blickte er auf etwas heute Abgetrenntes, hochstwahrscheinlich eine Madonna mit Kind, wahrend eine Stifterin die zugehorige Tafel einnahm. Seinen Namen kennen wir nicht. Memling gibt ihm keine grosse Kulisse, nur eine ruhige Aufmerksamkeit: den sorgfaltig gezeichneten Haaransatz, das schlichte fromme Gesicht eines wirklichen Menschen, der dafur bezahlte, im Gebet dargestellt zu werden. Lange nachdem Brugge seinen Reichtum verloren hatte, gelangte das Bild in die grosse Brusseler Sammlung des Erzherzogs Leopold Wilhelm, des habsburgischen Statthalters, der im 17. Jahrhundert niederlandische Malerei zusammentrug, und so kam ein privater Stifter aus Brugge an eine Wand in Bukarest.




