
Max Liebermann · PD
Selbstbildnis, stehend in Dreiviertelfigur, beide Hände in den Hosentaschen
Details
Die Geschichte
Berlin, 1915, das zweite Kriegsjahr, und der Mann, der sich hier selbst malt, ist 68 Jahre alt. Max Liebermann war da längst der Altmeister der deutschen Kunst, das langjährige Aushängeschild der Berliner Secession, jener Vereinigung unabhängiger Maler, die er mit angeführt hatte. Er arbeitete rasch, in Öl auf Pappe, und gab sich als Mann von Welt: dunkler Anzug, aufrechte Haltung, beide Hände in den Hosentaschen, ganz gelassen. Der Krieg, der Deutschland eine ganze Generation nahm, kommt in dem Bild nicht vor. Liebermann war Jude, und in weniger als 20 Jahren sollte sich das Land, das er sein Leben lang gemalt hatte, gegen ihn wenden. 1933 legte er seine öffentlichen Ämter nieder und starb zwei Jahre später in Berlin. Dieses kleine Selbstbildnis blieb fast 100 Jahre in Privatbesitz und kam erst 2014 in die Alte Nationalgalerie, wenige Schritte von seinem Wohnhaus entfernt.




