
Giovanni Segantini · PD
Die bösen Mütter
Details
Die Geschichte
1894, als der europäische Symbolismus Gedichte, Visionen und Legenden in gemalte Allegorien verwandelte, schuf Giovanni Segantini diese düstere alpine Strafszene. Das Bild gehört zu einem Zyklus von vier Werken mit Frauen, die in Bäume gebunden sind. Auslöser war ein Text, den sein Freund Luigi Illica nach einer buddhistisch gefärbten Legende ins Italienische übertrug. Nach der Deutung des Belvedere zeigt das Bild Frauen, die sinnlichem Begehren nachgaben und Mutterschaft verweigerten. Diese moralische Vorstellung wird ganz körperlich gefasst: Der Leib einer Frau hängt in kahlen Ästen fest, das rötliche Haar verfängt sich im Geäst, und ein Kind klammert sich an ihre Brust, als wachse es aus dem Baum selbst hervor. Den Schnee setzte Segantini aus kleinen Strichen in Weiß und blassem Violett zusammen, sodass die gefrorene Landschaft von innen zu leuchten scheint.