
Die Geschichte
Ludwig Mies van der Rohe verließ Deutschland in den 1930er Jahren nach Amerika und kehrte gegen Ende seines Lebens zurück, um in Berlin ein letztes Werk zu errichten. Die 1968 vollendete Neue Nationalgalerie ist ein schwarzes Stahldach, das über einem Glaskasten auf einem Granitsockel schwebt, ein fast leerer Tempel, dessen Sammlung im lichtdurchfluteten Untergeschoss darunter verwahrt wird. Sie war die Summe all dessen, was er über Stahl und Glas vertreten hatte.
Die Galerie birgt Berlins Kunst des 20. Jahrhunderts, die Expressionisten und die scharfäugigen Maler der Weimarer Jahre, unter ihnen George Grosz und Otto Dix, die die Stadt zwischen den Kriegen festhielten.
In ihrem fünfzigsten Jahr war der Bau verschlissen, und der Architekt David Chipperfield zerlegte ihn bis zur letzten Schraube und setzte ihn wieder zusammen, reinigte und reparierte, ohne Mies' Linien zu verändern, ehe er 2021 wiedereröffnete. Die obere Halle bleibt oft fast leer und beherbergt eine einzige Skulptur in all dem Glas, genau so, wie ihr Architekt es mochte.
