
Die Geschichte
Auf einem Kalksteinhügel über der Weichsel in Krakau steht die Burg, die über fünf Jahrhunderte der Sitz der polnischen Könige war. Der Palast, durch den man heute geht, ist weitgehend das Werk italienischer Meister, die ihn zwischen 1517 und 1536 für Sigismund I. den Alten umbauten und den Hof mit drei Reihen schlanker Arkaden umgaben, die noch immer florentinischer wirken als polnisch.
Die Räume im Obergeschoss entstanden für eine prächtige Sammlung. König Sigismund II. August bestellte Mitte des 16. Jahrhunderts rund 360 Tapisserien aus den besten Brüsseler Werkstätten, gewebt in Wolle, Seide und Silberfaden, mit der Geschichte von Adam und Eva, fremdartigen Tieren und grotesken Bordüren. Etwa 137 sind erhalten, und ihr Weg ist der halbe Grund, den Blick zu heben. Sie wurden von Russland geraubt, kehrten 1921 nach Polen zurück, wurden dann 1939 zusammengerollt nach Kanada verschifft, um sie vor den Deutschen zu bewahren, und kamen erst Anfang der 1960er-Jahre heim.
In der Kronschatzkammer liegt das Szczerbiec, das schartige Schwert, mit dem polnische Monarchen ab 1320 gekrönt wurden und fast das einzige Stück der Krönungsinsignien, das einen preußischen Überfall auf die Gewölbe 1794 überstand. Nebenan steht die Kathedrale, in der jene Könige gekrönt und bestattet wurden. Die Burg birgt auch die Räume, in denen der NS-Generalgouverneur Hans Frank für einige Kriegsjahre residierte, was mit ein Grund ist, warum so vieles vom Wawel versteckt oder außer Landes gebracht werden musste.

