
Adalbert Stifter
1805–1868 · Kaisertum Österreich · Biedermeier
Die Geschichte
Adalbert Stifter kennt man vor allem als Schriftsteller, als Autor des Romans „Der Nachsommer“ und der Erzählsammlung „Bunte Steine“. Gemalt hat er jedoch sein Leben lang, und in seinen letzten Jahren nahm er sich ein Malprojekt vor, von dem seine Leser nichts wussten. Von 1854 bis 1867 führte er ein penibles Tagebuch über seine Arbeit an der Staffelei.
Das Tagebuch begleitet einen geplanten Zyklus von acht symbolischen Landschaften, jede nach einer Seelenstimmung benannt. „Die Heiterkeit“ sollte griechische Tempelruinen zeigen, einen Ort, den er nie gesehen hatte. „Die Sehnsucht“ und „Die Schwermut“ waren beide als Mondlandschaften gedacht, und „Die Feierlichkeit“ sollte den Großglockner zeigen, den höchsten Berg Österreichs. Von den meisten sind nur die Titel überliefert. „Die Bewegung“, 1858 begonnen, sollte strömendes Wasser darstellen. In der kleineren ihrer zwei Fassungen ist nur der Himmel ausgeführt, die größere kam über die Vorzeichnung nie hinaus, ein Geflecht fließender Linien, das spätere Autoren mit abstrakter Kunst verglichen haben.
Damals lebte Stifter in Linz, wo er als Schulinspektor arbeitete und regelmäßig Kunstkritiken schrieb. Nach seinem Umzug dorthin 1848 stellte er eigene Bilder nie wieder aus. Eine seiner Mondscheinansichten der Flussauen bei Linz wurde von fremder Hand in weit konventionellerer Manier vollendet. Seine Malerei blieb fast unbekannt, bis 1901 in einer kritischen Ausgabe seiner sämtlichen Werke erstmals 16 seiner Bilder abgebildet wurden.
