
Boris Kustodijew
1878–1927 · Russisches Kaiserreich · Moderne, Russische Avantgarde
Die Geschichte
Um 1916 konnte Boris Kustodijew nicht mehr gehen. Ein Tumor an seinem Rückenmark und die Operation, um ihn zu entfernen, lähmten ihn von der Hüfte abwärts und bereiteten ihm oft große Schmerzen. Er arbeitete vom Rollstuhl aus, die Leinwand fast waagerecht über sich geneigt.
Was er aus diesem Stuhl heraus malte, ist die am wenigsten kränkelnde Kunst, die man sich vorstellen kann. Breithüftige Kaufmannsfrauen trinken Tee auf sonnigen Balkonen, ganze Städte strömen zum Butterwoche-Fest Masleniza zusammen, Troikas jagen über blauen Schnee, Jahrmarktsmengen leuchten unter bunten Bannern. Das war das rundliche, provinzielle, vorrevolutionäre Russland seiner Kindheit an der Wolga, erinnert in heißen Rot- und Goldtönen.
Er machte weiter durch Revolution und Bürgerkrieg, als das wirkliche Land draußen kalt und hungrig war. Er entwarf Bühnenbilder und Plakate für die neue sowjetische Bühne und malte ein aufragendes Porträt des Sängers Fjodor Schaljapin im Pelzmantel vor einem winterlichen Jahrmarkt. Er starb 1927 mit 49 Jahren an der Krankheit, die ihn ein Jahrzehnt lang an Ort und Stelle gefesselt hatte.




