Byzantinischer Meister des Kruzifixes von Pisa
Die Geschichte
Das Museo Nazionale di San Matteo in Pisa besitzt eine große Sammlung bemalter Kreuze, und eines davon, als Kreuz Nr. 20 verzeichnet, ist fast drei Meter hoch. Sein Maler ist unbekannt, deshalb nennen ihn Kunsthistoriker den Byzantinischen Meister des Kruzifixes von Pisa. Das Kreuz stammt aus dem Pisaner Kloster San Matteo und wird meist ins späte 12. oder sehr frühe 13. Jahrhundert datiert, spätestens um 1210.
Christus hängt mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen, Blut rinnt aus seinen Wunden. Dieser Typus des Leidenden, der Christus patiens, kam aus der byzantinischen Kunst, und dieses Kreuz gehört zu seinen frühesten Beispielen in der italienischen Malerei, zu einer Zeit, als toskanische Kreuze Christus meist lebend und aufrecht zeigten. Der Meister malte mit Tempera und Gold auf Pergament, das auf die Holztafel geklebt ist, eine in Italien seltene Technik. Früher vermutete man einen griechischen Künstler, der nach der Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204 geflohen war. Heute verorten ihn die meisten in Pisa selbst, einer Hafenstadt mit engen Verbindungen zum östlichen Mittelmeer. Kleine Szenen der Passion und der Auferstehung, von der Kreuzabnahme bis zum ungläubigen Thomas, ziehen sich an beiden Seiten des Kreuzes hinab.
