
Dante Gabriel Rossetti
1828–1882 · Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland · Präraffaeliten
Die Geschichte
Rossetti gründete 1848 gemeinsam mit den Malern John Everett Millais und William Holman Hunt die Präraffaelitische Bruderschaft, eine Gruppe Londoner Kunststudenten, die mit der scharfen Detailtreue und leuchtenden Farbigkeit italienischer Kunst vor Raffael malen wollten und den lockeren, dunklen akademischen Stil ablehnten, der damals an der Royal Academy gelehrt wurde. Rossetti war ebenso sehr Dichter wie Maler und hielt die beiden Tätigkeiten jahrelang getrennt: Verse schrieb er privat, während er für Auftraggeber Szenen aus der Artussage und aus Dante malte.
Um 1850 lernte er Elizabeth Siddal kennen, eine Hutmacher-Gehilfin, die sein Modell, seine Schülerin und 1860 seine Frau wurde. Siddal malte und schrieb selbst Gedichte, und zwar gut genug, dass der Kritiker John Ruskin ihr ein Auskommen sicherte, damit sie weiterarbeiten konnte; doch ihre Gesundheit war zerbrechlich, und sie war abhängig von Laudanum, einer Opiumtinktur, geworden. Im Februar 1862 starb sie an einer Überdosis, kurz nach einer Totgeburt. Bei ihrer Beerdigung legte Rossetti das einzige Manuskript seiner Gedichte, in ihr Haar gewickelt, in ihren Sarg und ließ es mit ihr begraben.
Sieben Jahre später, knapp bei Kasse und von Freunden überzeugt, die Gedichte seien zu gut, um unter der Erde zu bleiben, ließ er Siddals Grab auf dem Highgate Cemetery nachts öffnen und das Buch bergen. Das Papier war beschädigt und roch nach der Gruft, doch die Gedichte waren lesbar genug für eine Veröffentlichung, und 1870 erschienen sie als Poems by D.G. Rossetti.

