Jelena Guro
1877–1913 · Russisches Kaiserreich · Russische Avantgarde, Kubofuturismus
Die Geschichte
1912 veröffentlichte Jelena Guro das Buch »Herbsttraum« und widmete es ihrem Sohn, einem jungen Mann, den sie darin betrauerte, als sei er gestorben. Kinder hatte sie keine. Den Sohn hatte sie erfunden, eine literarische Mystifikation, die sie überlebte, und manche Forscher sehen in ihm eine Maske der Dichterin selbst.
Guro malte und schrieb zugleich, und in Sankt Petersburg stand sie mitten im Geschehen der neuen Kunst. Mit ihrem Mann, dem Maler und Musiker Michail Matjuschin, gehörte sie zu den Gründern des »Bundes der Jugend«, einer 1910 eingetragenen Künstlervereinigung, deren Ausstellungen vom Symbolismus bis zum Kubofuturismus reichten. Sie war außerdem eine der sehr wenigen Frauen im Kreis der kubofuturistischen Dichter.
Sie starb im Frühjahr 1913 mit 36 Jahren in ihrem Landhaus in Uusikirkko, einem Dorf auf der Karelischen Landenge, das damals zum Großfürstentum Finnland gehörte. Matjuschin griff ihre Ideen über die Farbe später in seiner eigenen Arbeit auf.
