
Lucas Cranach der Ältere
1472–1553 · Heiliges Römisches Reich · Deutsche Renaissance
Die Geschichte
1520, ein Jahr vor Martin Luthers Bann durch die katholische Kirche, schrieb der Reformator bereits Briefe, in denen er Lucas Cranach seinen „Gevatter“ nannte, denselben herzlichen Kosenamen, den er für Cranachs Frau gebrauchte. Cranach war seit 1505 Hofmaler der Kurfürsten von Sachsen im kleinen Universitätsstädtchen Wittenberg, wo Luther lehrte, und seine Werkstatt lieferte der herrschenden Familie die nächsten 45 Jahre Bildnisse, Altarbilder und höfische Auftragsarbeiten.
Er war auch ein gewiefter Geschäftsmann, der neben seinem Atelier eine Druckerei, eine Apotheke und eine Weinhandlung in der Stadt betrieb und drei Amtszeiten lang Bürgermeister von Wittenberg war. Als Luther seine Klostergelübde brach und 1525 die frühere Nonne Katharina von Bora heiratete, stand Cranach als Trauzeuge bei der Hochzeit. Im Jahr darauf wurde er Pate ihres ersten Sohnes Hans.
Seine Pressen druckten die Holzschnitte für Luthers deutsche Bibelübersetzung, und seine große Werkstatt, mit bezahlten Gehilfen fast wie am Fließband geführt, brachte den bis heute geläufigsten Bildnistyp hervor, Luther im schwarzen Talar des Doktors, ernst und ohne Lächeln. Cranach starb 1553 mit 81 Jahren in Weimar und überlebte Luther um sieben Jahre. Die Werkstatt und der Familienname gingen an seinen Sohn Lucas Cranach den Jüngeren über, der sie weitere drei Jahrzehnte fortführte.

