
Paul Klee
1879–1940 · Schweiz, Deutsches Kaiserreich · Expressionismus, Bauhaus, Surrealismus
Die Geschichte
Im April 1914 verbrachte der 34-jährige Paul Klee rund zwei Wochen in Tunesien mit zwei befreundeten Malern, und das nordafrikanische Licht überwältigte ihn auf die beste Weise. Er hatte jahrelang brillant gezeichnet, sich der Farbe aber nie sicher gefühlt. In Tunesien geschah etwas, und er schrieb in sein Tagebuch einen Satz, den man noch heute zitiert: "Die Farbe und ich sind eins. Ich bin Maler."
In den folgenden zwei Jahrzehnten schuf er kleine, seltsame, leuchtende Bilder aus Gittern, Pfeilen, Fischen, Monden und spindeldürren Figuren, gemalt mit einem Witz, der kindlich wirken kann, bis man bemerkt, wie genau er konstruiert ist. Ab 1921 unterrichtete er am Bauhaus, der deutschen Schule für Kunst und Gestaltung, wo seine Vorlesungen darüber, wie sich eine Linie und eine Farbe verhalten, zu einer Art Bibel der modernen Kunstlehre wurden. Er beschrieb das Zeichnen gern als "eine Linie, die spazieren geht".
Dann schnürte sich die Politik zu. 1937 zogen die Nationalsozialisten 17 seiner Werke in ihre Ausstellung "Entartete Kunst", eine Wanderschau, die die moderne Malerei lächerlich machen sollte, und beschlagnahmten mehr als hundert seiner Arbeiten aus deutschen Museen. Klee, bereits erkrankt an Sklerodermie, einer Krankheit, die Haut und Gewebe allmählich verhärtet, war zuvor in seine Heimat Schweiz zurückgekehrt. Seine Spätwerke wurden schwerer und dunkler, durchzogen von dicken schwarzen Zeichen, und er starb dort 1940, während sein Antrag auf die Schweizer Staatsbürgerschaft noch immer nicht genehmigt war.




