Pseudo-Jan Wellens de Cock
Habsburgische Niederlande · Antwerpener Manierismus
Die Geschichte
Die hohe Tafel mit dem Kalvarienberg im Rijksmuseum, um 1520 entstanden, vereint sieben Szenen der Passion Christi auf einem einzigen Bildträger, verteilt auf vier Ebenen. Im Vordergrund losen Soldaten um seine Kleider, in der Mitte stützt Johannes die ohnmächtige Maria. Die Komposition geht auf eine Zeichnung Albrecht Dürers von 1505 zurück, fast dreifach vergrößert und in Farbe übertragen.
Wer sie gemalt hat, ist bis heute offen. Vor rund einem Jahrhundert fasste der deutsche Kunsthistoriker Max J. Friedländer eine kleine Gruppe von Bildern mit wirbelnden Gewändern und phantastischen Felslandschaften zusammen und schrieb sie Jan Wellens de Cock zu, einem in Antwerpen urkundlich belegten Maler und Vater des Druckverlegers Hieronymus Cock. Die Verbindung zu diesem realen Mann hielt nicht stand, und so trägt die Gruppe heute den vorsichtigen Notnamen Pseudo-Jan Wellens de Cock.
Spätere Forscher bemerkten, wie nahe diese Bilder der Werkstatt von Cornelis Engebrechtsz stehen, dem führenden Maler Leidens. Manche erkennen darin eine einzige Hand, andere einen Kreis mehrerer Maler, und das Rijksmuseum verortet seinen Kalvarienberg in Leiden.
