
Rogier van der Weyden
1390–1464 · Burgundische Niederlande · Altniederländische Malerei
Die Geschichte
Im März 1436 ernannte der Stadtrat von Brüssel Rogier van der Weyden zu seinem offiziellen Maler, ein Amt, das unter den herrschenden Herzögen von Burgund so angesehen war, dass der Rat später verfügte, es solle nach ihm nie wieder jemand innehaben. Es war eine ungewöhnliche Ehre. Maler arbeiteten in dieser Zeit gewöhnlich als namenlose Zunfthandwerker, doch Rogiers Ruf war dieser Ordnung längst entwachsen.
Dieser Ruf beruhte auf Bildern wie der Kreuzabnahme, um 1435 für die Schützengilde von Löwen entstanden, einer flämischen Stadt südlich von Brüssel. Rogier drängte die zehn trauernden Figuren um Christi Leib in einen flachen vergoldeten Kasten, der fast wie ein geschnitztes Altarbild wirkt, dicht und unmittelbar. Das Bild beeindruckte Maria von Ungarn, die Regentin, die die Niederlande für ihren Bruder, den Heiligen Römischen Kaiser Karl V., verwaltete, und sie nahm es in ihre eigene Sammlung, aus der es schließlich an den König von Spanien überging.
Kopien und Fassungen seiner Kompositionen, in seiner eigenen geschäftigen Werkstatt und in denen anderer entstanden, die sich einfach seiner Figuren bedienten, tauchen noch heute in ganz Europa auf, ein Beleg dafür, wie sehr Höfe und Kirchen Bilder in seiner Art begehrten. Von Rogiers eigenen Worten ist sonst wenig erhalten, keine unterzeichneten Briefe, kein Tagebuch, fast kein Vertrag von seiner Hand, nur die Bilder und die pointierte Weigerung des Rates, nach ihm einen zweiten offiziellen Maler von Brüssel zu ernennen.
