
Sebastiano Mazzoni
1611–1678 · Republik Venedig · Barock
Die Geschichte
Irgendwann Ende der 1640er Jahre kam ein florentinischer Maler Anfang dreißig nach Venedig und blieb für immer. Sebastiano Mazzoni hatte sich in Florenz bei Baccio del Bianco ausgebildet und war der dortigen Zeichenakademie beigetreten, doch erst Venedig entsprach seinem Temperament. Dort schloss er sich Pietro Liberi an, einem führenden Maler jener Zeit, und übernahm den lockeren, dramatischen Pinselstrich Bernardo Strozzis, des genuesischen Meisters, der damals in der Stadt arbeitete.
Was dabei herauskam, wirkte selbst für barocke Verhältnisse eigenwillig. Mazzoni legte seine Szenen in schrägen, unbequemen Blickwinkeln an und ließ die Farbe rasch laufen, sodass die Figuren wie mitten in einer heftigen Bewegung wirken. Seine Verkündigung und seine Heilige Katharina, beide in den Gallerie dell'Accademia, tragen diese ruhelose Spannung.
Er war zudem Dichter und Architekt und nach allem, was überliefert ist, ein schwieriger, scharfzüngiger Mann, der sich mit Auftraggebern zerstritt und Spottverse schrieb. Er malte in Venedig bis zu seinem Tod 1678 und hatte dort rund 30 Jahre als Fremder verbracht, der sich die Stadt zu eigen gemacht hatte.

