
Ein Schulmeister an seinem Katheder mit seinen Schülern
Details
Die Geschichte
Um 1510, als die richtige Perspektive in Italien längst zum Berufsstolz der Maler gehörte, entstand diese kleine Tafel, auf der nichts zusammenpasst. Der Lehrer ist viel zu groß für die Jungen um ihn herum, Katheder und Stuhl behaupten jeder für sich, wo der Boden liegt, und unterrichtet wird unter freiem Himmel. Die Forschung liest das als Absicht, als Spottbild. Der Mann trägt Alltagskleidung seiner Zeit, Pergamentzettel stecken in seiner Kopfbedeckung, an den Füßen hat er Pantoffeln, und das hat zu der Vermutung geführt, hier sei ein bestimmter Zeitgenosse gemeint. Wer sie gemalt hat, ist offen. Der staatliche Katalog führt die Tafel unter Amico Aspertini, die Brera selbst unter einem Notnamen, dem Meister der Violantria, benannt nach drei Truhenfragmenten mit einer Heldin dieses Namens. Anderswo reist das Bild unter einem dritten Titel, als Heiliger Kassian, der Schulmeister von Imola, den seine Schüler mit den eisernen Griffeln erschlugen. 34 mal 38 Zentimeter, Öl auf Holz, 1929 ein Geschenk des Kunsthistorikers Corrado Ricci.
