
Allegorie der Fortuna
Details
Die Geschichte
Das Vorbild dieser Tafel hat im 16. Jahrhundert kein Mensch je gesehen. Apelles, der berühmteste Maler der griechischen Antike, soll nach einer Verleumdung bei Hofe ein Bild der Verleumdung gemalt haben. Es war längst verloren. Erhalten blieb allein die Beschreibung des griechischen Schriftstellers Lukian aus dem zweiten Jahrhundert, und die Künstler der Renaissance lasen sie als Bauanleitung und stellten das Werk aus Worten wieder her.
Leonbruno hält sich eng an Lukian. Die Gestalten steigen die Stufen eines großen Gebäudes hinauf. Der Tyrann mit den Eselsohren hört auf Argwohn und Unwissenheit, die Verleumdung wird von Neid und Betrug herangeführt, dahinter folgen Reue und Wahrheit. Eine Figur hat er hinzugefügt. Ganz oben thront Fortuna und verteilt Geld, Zepter und Kronen an die bösen Gestalten, während sie den guten Ketten und Folterwerkzeuge zuwirft.
Gemalt wurde die Tafel um 1523. Leonbruno war Hofmaler der Gonzaga in Mantua, seit 1511 fest besoldet und von Isabella d'Este gefördert. Im Jahr darauf kam Giulio Romano aus Rom, und im Januar 1525 beklagte sich Leonbruno brieflich, dass ihm die Aufträge ausblieben. Ausgeführt ist das Bild als Grisaille mit Goldhöhungen, in der harten mantegnesken Manier, die Mantua eine Generation zuvor gepflegt hatte.