
Retabel von Boulbon
Details
Die Geschichte
Gottvater blickt aus einem kleinen Fenster, Christus steht aufrecht in seinem Sarkophag, und zwischen ihren Mündern fliegt die Taube des Heiligen Geistes. Von beiden Mündern gehen feine Strahlen aus, die sich an dem Vogel kreuzen. Forscher lesen das als Bekenntnis zur lateinischen Lehre, nach der der Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht, dem sogenannten Filioque. Um diese Frage hatten Ost- und Westkirche lange gestritten, bis das Konzil von Florenz 1439 sie für kurze Zeit einigte. Wenige Jahre später bestellte in Avignon wohl der Kanoniker Jean de Montagnac das Bild. Er kniet links, vorgestellt vom heiligen Bischof Agricol, dessen Spruchband sagt „hec est fides nostra“, das ist unser Glaube. Um Christus hängen die Leidenswerkzeuge, Säule und Stricke, Rute, Lanze. Im 16. Jahrhundert kam das Retabel in die Dorfkirche von Boulbon, und 1904 kaufte es das Komitee einer Pariser Ausstellung französischer Primitiver für den Louvre.