Deesis
Details
Die Geschichte
Deesis ist griechisch und heißt Bitte, und diese Tafel ist ganz um eine solche gebaut. In der Mitte thront Christus als Herrscher und Richter, und die beiden Gestalten zu seinen Seiten, seine Mutter Maria und Johannes der Täufer, wenden sich ihm zu und heben die Hände zu ihm empor. Sie blicken nicht den Betrachter an. Sie treten fürbittend ein, erbitten Gnade für alle anderen, und darum steht genau diese Gruppe in der mittleren Reihe einer bulgarischen Ikonostase, jener Bilderwand zwischen Gemeinde und Altar. Gemalt wurde sie 1501, als dieses Land schon über ein Jahrhundert unter osmanischer Herrschaft lag und weit und breit kein orthodoxer Kaiser mehr regierte. Das Bild des thronenden Christus hielt die ältere Ordnung vor Augen. Die offenen, erhobenen Hände Marias und Johannes', nicht gefaltet, sondern Christus entgegengestreckt, sind die älteste Weise, in der die orthodoxe Kunst ein Gebet für einen anderen als sich selbst zeigte.