
Wassily Kandinsky · PD
Impression IV (Polizist)
Details
Die Geschichte
Am 12. März 1911 zog München mit einem Lampionzug über den Königsplatz, um den 90. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold zu feiern, des alten Mannes, der Bayern anstelle des wegen Wahnsinns entmündigten Königs Ludwig regierte. Kandinsky, der in der Stadt lebte, hat diesen Abend offenbar zum Ausgangspunkt genommen. Daher der eigenartige Untertitel Gendarm, im Englischen mitunter Constable: nahe der Mitte lüften zwei dunkle Gestalten neben dem gesenkten Kopf eines Pferdes grüßend den Hut, und zur Seite verschwimmt eine Menge unter schwebenden Lampions in dicken schwarzen Ringen. Es ist eines von sechs Bildern, die er in jenem Jahr Impressionen nannte, sein Wort für Malerei, die noch an etwas Gesehenes gebunden ist, anders als die Improvisationen und Kompositionen, mit denen er sich von der Natur löste. Hier lässt sich zusehen, wie er das Sichtbare verlässt. Gendarm und Pferd sind fast in reiner Farbe aufgegangen, und zwei Jahre später malte er Leinwände ganz ohne Szene. Gabriele Münter, die Malerin, die jene Münchner Jahre mit ihm teilte, bewahrte das Werk und schenkte es 1957 dem Lenbachhaus.




