Mumienporträt einer Frau
Details
Die Geschichte
Als Paula Modersohn-Becker 1903 wieder nach Paris kam, ging die junge Malerin aus Worpswede immer wieder in den Louvre, und was sie dort festhielt, waren die Mumienporträts aus dem römischen Ägypten, Gesichter auf Holztafeln, die man den Toten über die Binden legte. Von ihnen übernahm sie die frontale Haltung, den engen Ausschnitt und die weit geöffneten Augen ihrer späten Selbstbildnisse. Diese Frau war damals schon im Museum. Der Louvre hatte sie 1893 von dem Sammler Albert Daninos Pascha gekauft, als eines von fünf Porträts, die wohl aus Philadelphia stammen, einer ptolemäischen Gründung am Rand der Oase Fayum.
Seitdem wird sie ausgewählt, wenn jemand zeigen will, was die Moderne in diesen Gesichtern sah. André Malraux bildete sie in seinen Kunstbüchern ab, und sie steht in Ausstellungskatalogen zu Matisse, Giacometti, Picasso und zu Modersohn-Becker selbst. Für die Matisse-Schau reiste sie 1997 nach Rom, für die Picasso-Ausstellung 2021 nach Lens.
Gemalt ist sie mit farbigem Wachs auf ein dünnes Brett aus Sykomorenholz, über einem schwarzen Grund. Im Haar trägt sie ein Schmuckstück, dazu Ohrringe und zwei Halsketten, und über ihre Tunika läuft ein dunkelblauer Streifen. Der Louvre datiert sie allein nach dem Stil, irgendwann zwischen 150 und 350.
