
Bildnis eines Franziskaners (?)
Details
Die Geschichte
Knapp 19 Zentimeter hoch, so groß wie eine Postkarte, bildet dieses Bildnis mit seinem Rahmen ein einziges Stück. Tafel und Rahmen wurden zusammen aus einem Brett baltischer Eiche geschnitten, und der Mann legt die Fingerspitzen auf die untere Leiste, als stütze er sich auf eine Fensterbank. Die National Gallery hält es für eines der frühesten erhaltenen Bildnisse mit diesem Kunstgriff, den die altniederländischen Maler später immer wieder aufgriffen.
Wer er war, weiß man nicht, und das Fragezeichen im Titel sagt das offen. Er trägt die graue Kutte der Franziskaner, doch ihm fehlt die Tonsur, der geschorene Scheitel, den die Brüder trugen. Sein Gesicht ist hell beleuchtet vor einem dunkelblauen Grund, und seine Augen blicken nicht ganz in dieselbe Richtung. Infrarotaufnahmen zeigen, dass er zuerst ein Buch hielt. Der Maler verwandelte es in die Schriftrolle, die er jetzt hält und auf der nichts geschrieben steht. Die Eiche stammt vom selben Baum wie eine kleine Maria mit Kind in einem Innenraum, ebenfalls in der National Gallery. Beide Tafeln gingen also durch die Hände desselben Schreiners.