
Bildnis des Kardinals Alessandro Farnese
Details
Die Geschichte
Pater Sebastiano Resta, Oratorianer und eifriger Zeichnungssammler, war sich 1707 sicher, ein Werk Raffaels vor sich zu haben. Er hielt die kleine Holztafel für ein Bildnis aus der Zeit um 1518, das den späteren Papst Paul III. zeige, der vor seiner Wahl ebenfalls Kardinal Alessandro Farnese geheißen hatte. 1711 zahlte Kardinal Lorenzo Corsini, der künftige Clemens XII., 200 Scudi für ein Porträt des Kardinals Farnese, das man für Raffael hielt, und im 18. Jahrhundert führten die Inventare der Familie es dann als Tizian.
Mit Tizian hat das Bild tatsächlich zu tun, nur anders. Dargestellt ist der Enkel, Kardinal Alessandro Farnese, und sein Gesicht ist aus Tizians großem Gruppenbildnis Pauls III. mit zwei Enkeln übernommen, heute in Neapel. Tizian ließ diese Leinwand unvollendet zurück, als er im Juni 1546 Rom verließ, der Kardinal war damals 25. Die Tafel entstand also danach.
Das 20. Jahrhundert strich das Bild aus Tizians Werk. Genannt wurden Perino del Vaga, den der Kunsthistoriker Federico Zeri mit Fragezeichen auf der Rückseite eines Fotos notierte, und Taddeo Zuccaro. Die Galerie führt es heute als Jacopino del Conte zugeschrieben, einem Florentiner Bildnismaler, der lange für die Farnese arbeitete, und verweist auf die festen Umrisse, die scharf gezeichneten Brauenbögen und den Faltenwurf. Die Tafel ist gut erhalten, nur das rote Kardinalsbirett ist stark übermalt.
