
Didier Descouens · PD
Selbstbildnis vor dem Spiegel
Details
Die Geschichte
Nur selten stellte sich Toulouse-Lautrec vor den Spiegel, und als er es tat, war er blutjung: um 1882 war er siebzehn oder achtzehn und studierte noch Malerei, lange bevor die Vergnügungslokale des Montmartre seinen Namen machten. Er malte es rasch, auf Karton statt auf Leinwand, und hielt eine Ecke seines eigenen Schlafzimmers fest, mit einem Leuchter und allerlei Kram auf dem Tisch, den er nicht aufräumte. Der Spiegel fasst ihn von der Brust aufwärts. Von Kind auf brüchige Knochen hatten ihm kurze Beine gelassen, und hier schließen der Tisch und der untere Bildrand einfach alles darunter ab. Er blickt geradeaus, adrett und gefasst, ein junger Mann, der sich selbst mustert.




