
Odilon Redon · PD
Der Zyklop
Details
Die Geschichte
Über weite Strecken seiner Laufbahn arbeitete Odilon Redon fast nur in Schwarz, mit Kohlezeichnungen und Lithografien von albtraumhaften Wesen, die er seine «Noirs» nannte. Im Alter wandte er sich der Farbe zu und malte um 1914, mit über siebzig Jahren, diesen Zyklopen. Der Stoff stammt von Ovid. Polyphem, der einäugige Riese, liebt die Nymphe Galatea; im Mythos ist er roh und eifersüchtig, doch Redon macht ihn scheu: Er schiebt den riesigen Kopf hinter einem blühenden Hügel hervor, ohne sich zu nähern. Galatea schläft weiter unten, der Körper fast in den Blumen aufgelöst. Jenes übergroße Auge, das in so vielen seiner Werke wiederkehrt, droht hier nicht, es blickt nur auf die Schlafende.