
Henri-Paul Motte · PD
Die Braut des Belus
Details
Die Geschichte
Motte malte dieses Bild 1885, als die Pariser Salons voller Babylon und Assyrien waren. Die großen geflügelten Stiere, die man in Mesopotamien ausgegraben hatte, waren gerade in die europäischen Museen gelangt, und die Maler bauten um sie herum eine düster-prächtige Antike auf. Die Szene zeigt einen angeblichen babylonischen Ritus, ein Mädchen, das über Nacht zu Füßen des kolossalen Gottes Bel zurückgelassen wird, an eben diesem Tag in einem Schönheitswettbewerb ausgewählt. Motte nannte den griechischen Geschichtsschreiber Herodot als Quelle, doch die Stelle, auf die er sich berief, erweist sich als erfunden. Für den Tempel entlieh er die griechische Architektur von Olympia, und für das Götterbild kopierte er die assyrischen Flügelstiere, die man Lamassu nennt. Das Musée d'Orsay, das es heute besitzt, erwarb das Bild erst 2013.