
Die Geschichte
In einem der Räume liegt eine schlichte Holzkiste mit einer Inschrift des Franziskaners Antonio Santi, datiert auf den 18. Oktober 1677. Darin lagen Dantes Gebeine. Der Dichter starb im September 1321 in Ravenna, seit 1302 aus Florenz verbannt, und bestattet wurde er neben der Kirche der Brüder von dem Mann, der ihn aufgenommen hatte, Guido Novello da Polenta, dem Herrn der Stadt. Florenz forderte ihn immer wieder zurück. 1519 gab Papst Leo X., ein Medici, der Bitte statt, und die Brüder öffneten die Wand hinter dem Sarkophag und holten die Überreste heraus, bevor die florentinische Abordnung eintraf. Die Gebeine blieben in Santis Kiste verborgen, bis ein Arbeiter sie im Mai 1865 eingemauert neben dem Grabmal fand.
Das Museum liegt in eben diesen Franziskanerkreuzgängen, wenige Schritte vom Grabmal selbst, dem kleinen Kuppelbau, den Camillo Morigia in den 1780er Jahren errichtete. Es wurde 1921 als Museo Dantesco eröffnet, auf Betreiben des Ravennater Kunsthistorikers Corrado Ricci, und zum 700. Todestag des Dichters 2021 Raum für Raum neu eingerichtet. Acht Säle führen heute durch Dantes Leben, die Commedia und das, was spätere Zeiten daraus machten. Dort stehen die Kiste von 1677 und der Schrein, in dem das Skelett 1865 zur Ansicht ausgelegt wurde.
Der erste Saal wurde gemeinsam mit den Gallerie degli Uffizi eingerichtet, die florentinische Dante-Bilder des 19. Jahrhunderts als Dauerleihgabe hierher gaben. Die Lampe im Grabmal nebenan brennt mit Olivenöl, das Florenz jeden September nach Ravenna schickt, zum Jahrestag des Todes.
