Albrecht Dürer

Albrecht Dürer

1471–1528 · Heiliges Römisches Reich · Deutsche Renaissance


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Die Geschichte

1515 traf in Lissabon ein lebendes Nashorn ein, ein Geschenk von einem Sultan in Indien an den König von Portugal – das erste Tier dieser Art, das seit über 1.000 Jahren, seit den römischen Arenen, jemand in Europa gesehen hatte. Albrecht Dürer, oben in Nürnberg, bekam es nie zu Gesicht. Was ihn erreichte, war ein Brief samt grober Skizze, weitergereicht über Handelsnetze. Aus dieser Beschreibung aus zweiter Hand schnitt er einen Holzschnitt des Tieres, herrlich und selbstbewusst falsch: Die Haut als genietete Rüstungsplatten, ein zusätzliches Horn an den Schultern, die Beine wie bei einer Eidechse beschuppt. Er druckte sogar eine Textzeile über dem Bild, die für dessen Genauigkeit bürgte. Das echte Nashorn ertrank kurz darauf bei einem Schiffbruch vor Italien, sodass ihn kaum jemand korrigieren konnte.

Dürers gepanzerte Fassung wurde zum Nashorn der europäischen Vorstellungswelt, über die nächsten 250 Jahre in Schulbücher und Enzyklopädien kopiert. Genau das ist der Punkt bei Dürer: Er begriff das gedruckte Bild als neue Form von Macht. Ein Gemälde hängt in einem Raum, doch ein Holzschnitt oder Kupferstich ließ sich in hunderten Abzügen über den Kontinent verkaufen, und niemand trieb dieses Medium weiter als er, jedes Blatt signiert mit einem Monogramm, einem A um ein D, das wie eine moderne Marke funktionierte.

Er war Sohn eines Nürnberger Goldschmieds, brachte sich selbst bei, wie ein Mathematiker über Proportion und Perspektive zu denken, und lebte genau in dem Moment, als die Reformation über Deutschland hereinbrach. Er verehrte Martin Luther und trauerte im Tagebuch über ein falsches Gerücht, Luther sei gefangen genommen worden. Der Kupferstich, den viele für seinen Höhepunkt halten, Melencolia I von 1514, ist ein bis heute umstrittenes Rätsel: eine grüblerische geflügelte Gestalt, umgeben von den Werkzeugen der Geometrie, untätig zwischen ihnen sitzend.

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