Balthasar Permoser
1651–1732 · Heiliges Römisches Reich · Barock
Die Geschichte
Im Unteren Belvedere in Wien steht eine Marmorgruppe von mehr als zwei Metern Höhe. Prinz Eugen von Savoyen, der habsburgische Feldherr, der die osmanischen Heere aus Mitteleuropa zurückdrängte, wird hier mit den Attributen des Herkules emporgehoben. Neben ihm erhebt sich eine Figur der Fama, und zu seinen Füßen kauert ein besiegter Türke als Gefangener. Das Museum hält es für möglich, dass dieser verzweifelte Gefangene die Züge des Bildhauers selbst trägt. Balthasar Permoser schuf die Gruppe etwa zwischen 1718 und 1721, als er schon Ende sechzig war.
Eugen hatte sie selbst in Auftrag gegeben, vielleicht als Denkmal für die Zeit nach seinem Tod. Trotzdem stellte er sie recht bescheiden auf, im Speisesaal seiner Hausoffiziere im Oberen Belvedere. Die gedrängte, gewundene Barockkomposition war dem Prinzen womöglich zu weit von antiken Vorbildern entfernt. Ins Untere Belvedere kam die Gruppe erst 1922, als dort ein Barockmuseum eingerichtet wurde.
Diesen bewegten Stil hatte Permoser in Italien gelernt, in der Florentiner Werkstatt von Giovanni Battista Foggini, dem Hofbildhauer der Medici. 1689 holte ihn der sächsische Kurfürst nach Dresden, und dort blieb er bis an sein Lebensende. Sein bekanntestes Werk steht im Zwinger, der Festanlage Augusts des Starken. Am Wallpavillon meißelte er die sich stemmenden, grimassierenden Atlanten, steinerne Riesen unter der Last der Gesimse, und seine Werkstatt bevölkerte das benachbarte Nymphenbad, eine Brunnengrotte, mit Figuren.
Noch vor seinem Tod 1732 schuf Permoser sein eigenes Grabmal, eine große Kreuzigungsgruppe aus Sandstein für den Alten Katholischen Friedhof in Dresden.

