
Bernardo Bellotto
1721–1780 · Republik Venedig · Vedutenmalerei, Barock, Rokoko
Die Geschichte
Bernardo Bellotto erlernte sein Handwerk in Venedig in der Werkstatt seines Onkels, des berühmten Vedutenmalers Canaletto, und trug den Beinamen des Onkels sogar ins Ausland, wo er dort, wo niemand den Unterschied kannte, mit Canaletto signierte. Sein eigenes Auge war kühler und silbriger, seine Himmel schwerer.
Er kehrte nie heim. Höfe im Norden wollten gemalte Ansichten ihrer Hauptstädte, und Bellotto lieferte, arbeitete jahrelang in Dresden, dann in Wien und München und schließlich für den König von Polen in Warschau. Er hielt Straßen, Paläste und Kirchen mit fast der Genauigkeit eines Vermessers fest, bis hin zu den Ladenschildern und den Rissen im Putz.
Diese Genauigkeit hatte ein Nachleben, das er sich nicht hätte vorstellen können. Als große Teile der Warschauer Altstadt im Zweiten Weltkrieg gezielt zerstört wurden, nahm man seine detaillierten Stadtansichten von den Museumswänden und benutzte sie als Arbeitsunterlagen für die Architekten, die sie wiederaufbauten. Er starb 1780 in Warschau, Hofmaler eines Landes, das sich später auf seine Bilder stützen sollte, um sich zu erinnern, wie es ausgesehen hatte.


