
Georg Friedrich Kersting
1785–1847 · Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin · Biedermeier
Die Geschichte
Caspar David Friedrich stützt sich auf eine Stuhllehne und blickt auf eine Leinwand, die wir nur von hinten sehen. Das Atelier um ihn ist fast leer, an der Wand hängen zwei Paletten, ein Lineal und eine Reißschiene. Dieses Bildnis eines nachdenkenden Malers, heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin, stammt von seinem Freund Georg Friedrich Kersting, dem Sohn eines Glasers aus Güstrow in Mecklenburg, der Friedrich mehr als einmal bei der Arbeit malte.
Kersting studierte an der Kopenhagener Akademie und zog gegen Ende jenes Jahrzehnts nach Dresden. Friedrich, ebenfalls ein Norddeutscher, überredete ihn, dort zu bleiben, statt weiter nach Italien zu reisen, und im Sommer 1810 wanderten die beiden gemeinsam durch die Sudeten an der böhmischen Grenze. Kerstings eigenes Thema wurde der Raum. Er malte Menschen, die in etwas Alltägliches vertieft sind, eine Frau beim Sticken, einen Mann, der im Lampenlicht liest, oft von hinten gesehen, in stillen, sorgfältig ausgeleuchteten Interieurs. Solche Szenen gelten heute als prägende Bilder des Biedermeier, der bürgerlichen Wohnkultur jener Jahrzehnte in Deutschland.
1813 trat er in das Lützowsche Freikorps ein, eine Freiwilligentruppe im Kampf gegen Napoleon, an der Seite des Dichters Theodor Körner, der im August desselben Jahres fiel. Später malte Kersting Körner und zwei Kameraden auf einer Waldlichtung im Bild Auf Vorposten. Nach einigen Jahren als Zeichenlehrer in Polen ging er 1818 als Malervorsteher an die Porzellanmanufaktur Meißen und behielt diese Stelle bis zu seinem Tod 1847.
