
Hugo Simberg
1873–1917 · Großfürstentum Finnland · Symbolismus
Die Geschichte
1903 vollendete ein junger finnischer Maler ein Bild, das sein Land schließlich zum nationalen Lieblingswerk wählen sollte. Hugo Simbergs Der verwundete Engel zeigt zwei ernste Jungen in dunkler Kleidung, die eine Trage an einem trostlosen Ufer tragen, und darauf sitzt ein geflügeltes Mädchen in Weiß, mit verbundenen Augen und Wunden, ein kleiner Engel, aufgesammelt wie ein verletzter Vogel.
Simberg weigerte sich, das Werk zu erklären, und forderte die Betrachter auf, ihren eigenen Sinn darin zu finden. Er arbeitete in der symbolistischen Strömung des späten 19. Jahrhunderts, angezogen von Tod, Volksglauben und stiller Schwermut, und er gab dem Tod eine seltsame Sanftheit. Auf einem seiner Bilder gießen grinsende Skelette zärtlich einen Blumengarten.
Eine Fassung des verwundeten Engels malte er noch einmal als Fresko im Inneren des Doms von Tampere. Simberg starb jung, 1917, wenige Monate bevor Finnland die Unabhängigkeit erklärte, die er nicht mehr erlebte.

