
Jan Willem Pieneman
1779–1853 · Königreich der Niederlande · Romantik
Die Geschichte
Im Februar 1821 richtete sich ein niederländischer Maler ein provisorisches Atelier im Apsley House ein, dem Londoner Stadtpalais des Herzogs von Wellington. Wellington saß ihm dort Modell und ließ sogar sein Pferd Copenhagen in die Stadt bringen, damit es gezeichnet werden konnte, während der Maler Sitzungen mit weiteren hohen Offizieren vereinbarte, die bei Waterloo gekämpft hatten. Der Maler war Jan Willem Pieneman, und aus diesen Sitzungen entstand ein riesiges Gemälde, Die Schlacht bei Waterloo, 567 mal 823 Zentimeter groß, vollendet 1824.
Zu dem Thema kam er von niederländischer Seite. Bekannt geworden war er 1818 mit einem Bild des Prinzen von Oranien, des niederländischen Kronprinzen, bei Quatre-Bras, einem Gefecht zwei Tage vor Waterloo. Auf dem großen Bild sitzt Wellington in der Mitte auf Copenhagen, gerade als die Nachricht eintrifft, dass die Preußen unter Blücher das Schlachtfeld erreichen, und unten links wird der verwundete Prinz von Oranien auf einer Trage fortgebracht. Ursprünglich war das Gemälde für Wellington bestimmt. Stattdessen kaufte es König Wilhelm I. für 40.000 Gulden als Geschenk für seinen Sohn, eben jenen Prinzen, und Pieneman behielt das Recht, es in London zu zeigen. 1825 zog es in einem eigens dafür errichteten Pavillon im Hyde Park die Massen an und hing dort auch am zehnten Jahrestag der Schlacht.
Angefangen hatte Pieneman als Handlungsgehilfe, der nebenbei Kurse an der städtischen Zeichenakademie in Amsterdam besuchte. Von 1820 bis zu seinem Tod 1853 war er der erste Direktor der neuen Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Amsterdam, und von 1844 bis 1847 leitete er zusätzlich das Rijksmuseum. Zu seinen Schülern gehörte Jozef Israëls, später einer der führenden Maler der Haager Schule. Sein Waterloo-Bild ist heute das größte Gemälde in der Sammlung des Rijksmuseums.

