Joseph Roos der Ältere
1726–1805 · Heiliges Römisches Reich · Barock
Die Geschichte
1776 lagerte die kaiserliche Gemäldesammlung in Wien noch dicht gedrängt in der Stallburg, jenem Trakt der Hofburg, in dem auch die Hofstallungen untergebracht waren. Mit ihrem Umzug ins Obere Belvedere, das einstige Sommerschloss des Prinzen Eugen, wurde ein Maler von Kühen und Weiden betraut, Joseph Roos, den man in Wien Joseph Rosa nannte.
Er stammte aus einer ganzen Dynastie von Tiermalern. Sein Großvater Philipp Peter Roos war in Italien als Rosa da Tivoli berühmt geworden, und sein Vater Cajetan brachte ihm das Familienhandwerk bei, pastorale Landschaften mit Vieh. Nach der Wiener Akademie ging er nach Dresden, zunächst als Dekorationsmaler unter dem Bühnenbildner Giuseppe Galli Bibiena, dann als Hofmaler und Professor für Landschaftsmalerei an der dort 1764 gegründeten Akademie. Die beiden Fassungen der Landschaft mit weidendem Vieh in dieser Sammlung, datiert 1765 und 1766, entstanden in diesen Dresdner Jahren.
1772 wurde er zum Direktor der kaiserlichen Sammlungen ernannt. Er hängte die Bilder nach nationalen Schulen, eine Ordnung, die der Schweizer Kupferstecher Christian von Mechel später überarbeitete, bevor die Galerie 1781 für das Publikum öffnete, und er verfasste den ersten Katalog der Sammlung nach kunsthistorischen Grundsätzen. Der Tiroler Maler Martin Knoller porträtierte ihn 1791, und dieses Bildnis hängt heute im Oberen Belvedere.

