
Kanuty Rusiecki
1800–1860 · Russisches Kaiserreich · Romantik
Die Geschichte
Eine junge Frau in litauischer Bauerntracht hält ein Bündel Weidenkätzchenzweige, die „Palmen“, die man in Litauen am Palmsonntag in die Kirche trägt. Kanuty Rusiecki malte sie in den 1840er Jahren in Vilnius, zusammen mit der Schnitterin, einem Mädchen mit Sichel im Roggenfeld. Beide sind bis heute seine am häufigsten reproduzierten Bilder, und spätere Generationen sahen in ihnen ein Litauen, das unter zaristischer Herrschaft an seinen Bräuchen festhielt.
Zu diesen ländlichen Themen kam er auf einem langen Weg. Nach dem Studium an der Universität Vilnius bei dem Maler Jan Rustem ging er 1821 nach Paris und dann nach Rom, wo er den größten Teil der 1820er Jahre verbrachte und an der Accademia di San Luca sowie in der Werkstatt des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen lernte. Ab 1831 wieder in Vilnius, unterrichtete er mehr als 25 Jahre lang Zeichnen am Adelsinstitut der Stadt, malte Altarbilder und restaurierte Fresken in kleinen Kirchen. Sein Sohn Bolesław, ebenfalls Maler, hielt nach seinem Tod 1860 den Atelierbestand zusammen, und über ihn gelangten die Werke in Museen in Litauen, Polen und Belarus.
