
Matthias Grünewald
1480–1528 · Heiliges Römisches Reich · Deutsche Renaissance
Die Geschichte
Um 1512 gab ein Klosterhospital in Isenheim im Elsass ein riesiges Altarretabel für seine Kapelle in Auftrag. Die dortigen Mönche, vom Orden der Antoniter, pflegten Menschen, die am Antoniusfeuer starben, einer Krankheit, die vom Verzehr pilzverseuchten Roggens kam und die Glieder mit Brand und brennendem Schmerz verfaulen ließ. Matthias Grünewald malte das zentrale Bild genau für diese Kranken.
Seine Kreuzigung ist eine der erschütterndsten, die je entstanden. Christi Leib hängt grünlich und mit Wunden bedeckt, die Finger krallen in die Luft, das Fleisch zerrissen wie von eben der Krankheit, an der die Kranken litten. Der Zweck war Trost. Ein Kranker, der aufblickte, sah einen Gott, der einen ebenso zerstörten Leib ertragen hatte wie den seinen.
Grünewald war jahrhundertelang fast vergessen, und selbst sein Name ist ein späterer Irrtum, denn Dokumente legen nahe, dass er eigentlich Mathis Gothart Nithart hieß. Er wirkte als Hofmaler und Ingenieur für die Erzbischöfe von Mainz, scheint dann in Ungnade gefallen zu sein, womöglich weil er mit den Bauernaufständen der 1520er Jahre sympathisierte. Weniger als ein Dutzend seiner Bilder sind erhalten. Die Isenheimer Tafeln hängen heute in einem ehemaligen Kloster in Colmar, dem Museum Unterlinden, flach aufgeklappt, damit Besucher um das einstige Faltretabel herumgehen können.


