
Robert Nanteuil
1623–1678 · Frankreich · Barock
Die Geschichte
1660 überzeugte ein französischer Kupferstecher Ludwig XIV., ein Edikt zu unterzeichnen, das den Rang seines ganzen Fachs veränderte. Bis dahin galt der Kupferstich als Handwerk, den Zünften zugerechnet. Das Edikt, erlassen in Saint-Jean-de-Luz, erklärte ihn stattdessen zur freien Kunst, der Malerei ebenbürtig. Dahinter stand Robert Nanteuil, und sein Argument war schlicht: Ein Druck ist dazu da, dem Auge Freude zu machen.
Nanteuil war der führende Bildnisstecher seiner Zeit. Ludwig XIV. stach er fast ein Dutzend Mal, dazu die wichtigsten Minister des Königs, unter ihnen den Kardinal Mazarin und Colbert. Er setzte das Modell in ein schlichtes Oval auf einen steinernen Sockel, ohne Beiwerk, damit nichts den Blick vom Gesicht ablenkt.
Er zeichnete auch und arbeitete in Pastell und nahm die Ähnlichkeit oft nach dem Leben ab, bevor er die Platte stach. Diese Formel, ein offener Kopf im ovalen Rahmen, beherrschte die französische Bildnisgrafik mehr als ein Jahrhundert lang über seinen Tod 1678 hinaus.
