Urban Görtschacher
1485–1530 · Heiliges Römisches Reich · Spätgotik
Die Geschichte
Vier Tafeln, um 1508 in Kärnten gemalt, tragen ein ungewöhnliches Zeichen. Irgendwo in jedem Bild wächst eine genau beobachtete Wegwarte, das blau blühende Kraut vom Wegrand. Zwei Inschriften mit einem Namen führten den Kunsthistoriker Ernst Buchner dazu, die Gruppe mit Urban Görtschacher zu verbinden, einem Patrizier und Stadtrichter von Villach, der Stadt an der Drau im Süden Österreichs.
Das Belvedere in Wien besitzt drei dieser Tafeln. Das Ecce Homo und Der zwölfjährige Jesus im Tempel sind beide 1508 datiert, und eine vielszenige Susannenlegende gehört zur selben Gruppe. Die Bilder stehen zwischen der Spätgotik der Alpen und der neuen italienischen Malweise, und ihre Bezüge zur Malerei in Padua und Venedig lassen vermuten, dass der Maler eine Zeit lang südlich der Berge verbrachte. Auch Fresken des Jüngsten Gerichts in Millstatt, datiert 1518, werden ihm zugeschrieben.
Über den Mann selbst sagen die Archive wenig, und auch der Name ist inzwischen umstritten. Eine neuere Wiener Studie deutet die Wegwarten-Tafeln als Arbeit einer Werkstatt mit mehreren Mitgliedern, und manche Forscher ziehen die neutrale Bezeichnung Wegwarte-Meister vor. Die letzte bekannte Signatur stammt von 1530.


