
Vittorio Matteo Corcos
1859–1933 · Königreich Italien · Realismus, Porträtmalerei
Die Geschichte
1896 saß eine junge Frau für ein Bildnis Modell, das alles andere überdauern sollte, was sein Maler schuf. Vittorio Matteo Corcos nannte es Sogni, also Träume: ein modisches Mädchen mit Strohhut sitzt auf einer Bank, neben sich französische Romane in gelben Einbänden, und blickt den Betrachter mit kühler, leicht gelangweilter Direktheit an. Das Modell war Elena Vecchi, die Tochter eines befreundeten Schriftstellers, und das Bild verstörte sein erstes Florentiner Publikum gerade durch diese ganz moderne Selbstsicherheit.
Corcos wurde 1859 in eine jüdische Familie in der Hafenstadt Livorno geboren, lernte in Florenz und Neapel und verbrachte dann Jahre in Paris, wo der Händler Goupil seine eleganten Gesellschaftsbilder verkaufte. Zurück in Italien wurde er zum Bildnismaler, den die vornehme Welt begehrte, und malte Schriftsteller, Komponisten und Adlige, darunter den Dichter Giosuè Carducci und den Komponisten Pietro Mascagni.
Er arbeitete in der veränderten Welt nach dem Ersten Weltkrieg weiter, während sein glatter Stil zunehmend aus der Mode geriet, und starb 1933 in Florenz. Sogni hängt bis heute in Roms Nationalgalerie für moderne Kunst.

