
Büste Fonseca
Details
Die Geschichte
Römerinnen des späten 1. und frühen 2. Jahrhunderts n. Chr. konnten ihr Haar tragen wie ein Bauwerk. Der Dichter Juvenal spottete über eine Frau, die sich den Kopf in so vielen Lagen und Stockwerken auftürmte, dass sie von vorn wie eine tragische Heldin aussah und von hinten einen Kopf kleiner war. Diese Büste zeigt die Mode auf ihrem Höhepunkt, einen hohen Hufeisenbogen aus Spirallocken über der Stirn, das übrige Haar geflochten und hinten zu einem Knoten gewunden. Zwischen die Locken hat der Bildhauer mit dem Bohrer tiefe Rillen getrieben.
Wer sie war, weiß niemand. Ohne Inschrift und ohne bekannten Fundort ist die Frisur der wichtigste Anhaltspunkt für die Datierung. Viele Bücher nennen sie flavisch, aus der Zeit Vespasians und seiner Söhne, während die Kapitolinischen Museen sie an den Anfang des 2. Jahrhunderts setzen. Ihren Namen hat sie von Giuseppe Maria Fonseca, einem portugiesischen Geistlichen, der die Büste dem Museum schenkte.
Um 2005 machte sich Janet Stephens, Friseurin in Baltimore, daran, solche Frisuren auf lebenden Köpfen nachzubauen. Sie vertrat die Ansicht, dass ein lateinisches Wort, das man stets mit Haarnadel übersetzt hatte, auch Nadel und Faden bedeuten konnte, und veröffentlichte das 2008 im Journal of Roman Archaeology. Später legte sie eine Schritt-für-Schritt-Rekonstruktion genau dieser Frisur vor, die Locken festgenäht.




