
Jean-Auguste-Dominique Ingres · PD
Die große Odaliske
Details
Die Geschichte
1814 zerfiel das Empire Napoleons, und in Neapel bestellte seine Schwester Caroline Murat, die Königin, bei dem in Rom lebenden Ingres dieses Bild. Sie sollte es kaum je abholen — ein Jahr später war ihr Mann erschossen und ihr Thron verloren. Ingres malte kein Porträt, sondern eine Haremsfrau des Orients, wie ihn Paris sich damals erträumte, mit türkischem Turban, Pfauenwedel und einer langen Pfeife für Opium. Als das Bild 1819 endlich in Paris zu sehen war, spotteten die Kritiker über den Rücken der Liegenden: Er sei zu lang, die Frau habe drei Wirbel zu viel. Ingres hatte die Anatomie bewusst gedehnt, um die Linie ruhig fließen zu lassen, so wie er es an Raffael und den italienischen Manieristen studiert hatte. Der kühle blaue Vorhang, die glatte Haut ohne jede Spur eines Pinselstrichs, der Blick über die Schulter — nichts daran ist warm. Genau diese Kühle machte Ingres zum großen Gegenspieler von Delacroix im langen Streit zwischen Linie und Farbe, der die französische Malerei über Jahrzehnte teilte.




