
Kopf der Sappho
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Die Geschichte
Sappho lebte um 600 v. Chr. auf der Insel Lesbos, und ihre Gedichte las man noch Jahrhunderte nach ihrem Tod. Wie sie aussah, hat niemand festgehalten. Als der athenische Bildhauer Silanion rund zweieinhalb Jahrhunderte später eine Bronzestatue der Dichterin schuf, musste er ihr Gesicht erfinden.
Das Museum hält es für wahrscheinlich, dass dieser Marmorkopf auf jene Statue zurückgeht. Er ist eine römische Kopie, und die Forschung reiht ihn unter weitere Köpfe desselben Typus ein. Dass die Frau Sappho ist und das Vorbild von Silanion stammt, bleibt in beiden Fällen eine begründete Vermutung.
Bekannt ist Silanions Bronze durch einen Prozess. Im Jahr 70 v. Chr. klagte der Redner Cicero in Rom Gaius Verres an, der drei Jahre lang Statthalter von Sizilien gewesen war. Unter den Kunstwerken, die Verres nach Ciceros Vorwurf von der Insel weggeschafft hatte, war diese Sappho aus dem Rathaus von Syrakus. Den Sockel ließ er stehen, sagte Cicero, und das griechische Epigramm darauf nannte weiter den Namen einer Figur, die nicht mehr da war.




