
Madame de Loynes
Details
Die Geschichte
Als dieses Bild 1862 entstand, gab es die Comtesse de Loynes noch nicht. Die Dargestellte hieß Jeanne de Tourbey, war 25 Jahre alt, stammte aus armen Verhältnissen in Reims und gehörte längst zu den bekanntesten Gestalten im Paris des Zweiten Kaiserreichs. Prinz Napoléon, ein Vetter des Kaisers, hatte ihr eine Wohnung in der Rue de l'Arcade eingerichtet, und zu ihren Abenden kamen Flaubert, Sainte-Beuve und Renan. Amaury-Duval malt sie in schwarzem Taft vor gelben Seidenkissen, das Kinn auf die Finger gestützt, mit goldenen Ohrgehängen im griechischen Muster. Es ist die Haltung einer Zuhörerin, und gerade dafür rühmten sie ihre Gäste. 1863 hing das Porträt im Salon. Neun Jahre später heiratete sie den Grafen de Loynes. 1914 kam das Bild als Vermächtnis des Kritikers Jules Lemaître, ihres Vertrauten der letzten Jahrzehnte, an den Staat.