
Didier Descouens · CC-BY-SA-4.0
Die alte Frau
Details
Die Geschichte
Um 1506 war Venedig reich und elegant und verliebt in ideale Schönheit, glatte Madonnen und strahlende junge Frauen. Giorgione malte das Gegenteil. Eine alte Frau beugt sich über eine Brüstung uns entgegen, das Haar dünn und aus dem Tuch entwichen, der Mund offen, die wenigen Zähne schief, jede Spur des Alters ohne Beschönigung festgehalten. Sie hält ein kleines Schriftband und deutet auf sich selbst, und darauf steht col tempo, mit der Zeit. Das ist der ganze Sinn. So wird die Zeit mit jedem verfahren, der sie jetzt jung betrachtet, die Schönheit im Nachbarbild eingeschlossen. Wer sie war, weiß niemand. Manchmal sah man in ihr die Mutter des Malers, doch belegen lässt sich das nicht.




