
Yair-haklai · CC-BY-SA-4.0
Leserin am gelben Tisch
Details
Die Geschichte
Die junge Frau, die sich über das aufgeschlagene illustrierte Buch beugt, ist Annelies Nelck. Sie stammte aus den Niederlanden, war noch keine zwanzig, und ihre Eltern lebten bei Vence, dem Städtchen in den Hügeln über Nizza, wo Matisse damals wohnte. Im Sommer 1943 war sie in seine Villa gekommen, um ihn um Rat zu fragen. Er ließ sie Modell sitzen und gab ihr kleine Arbeiten im Atelier. Einmal im Monat sortierte sie unter seiner Anleitung die Zeichnungen, vernichtete die misslungenen, fertigte Pausen an und fixierte die Kohle. Unten links steht neben der Signatur „4/44“, also April 1944. Frankreich war noch von den Deutschen besetzt, und in diesem Frühjahr wurden Matisses Frau Amélie und seine Tochter Marguerite wegen ihrer Arbeit für die Résistance verhaftet. Marguerite wurde im Gefängnis von Rennes von der Gestapo gefoltert. Auf dem gelben Tisch liegen neben dem Buch zwei Granatäpfel, dazu stehen dort eine kleine Vase mit roten Blumen und ein Weinglas, nur mit schwarzer Linie umrissen.




